Zunfthaus Neumarkt

Der Neumarkt, in dessen Westteil der Rindermarkt und die Spiegelgasse einmünden, endete bis 1827 am Neumarkttor. Seit dessen Abbruch führt er bis zum Hirschengraben. Auf der Höhe des Zunfthauses am Neumarkt überquerte die Strasse noch im 13. Jahrhundert den Wolfbach. Der Name Neumarkt erscheint erstmals 1145.

1276 – 1742

Die Liegenschaft Neumarkt 5 entwickelte sich aus zwei Steinbauten, einer Überbauung der Gassenflucht und einem Annexbau in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. In einer Urkunde von 1276 tritt für das „hus [...] uf em bache“ Johannes Bilgeri als Käufer auf. Die Bilgeri, denen am Neumarkt mehrere Häuser gehörten, besassen die Liegenschaft noch um 1389. Nach dem Verkauf von Teilen des Gartens an den Konvent St. Verena (1374), kam der Baukomplex 1526 durch Heirat an Hans Conrad Escher vom Luchs. Er muss 1543 bedeutende Umbauten vorgenommen haben. Auf Escher geht auch der Einbau eines Saals mit Wappenmalereien (Turmzimmer) zurück. 1637 erwarb Hans Kaspar Wolf die Häuser. Durch die Heirat seiner Enkelin Elisabeth Wolf mit Beat Holzhalb kamen sie an dessen Familie. 1742 verkaufte sie Heinrich Heidegger zum Kiel als Vormund des 1731 geborenen Hans Heinrich Holzhalb an die Schuhmacherzunft.

1742 – 1798

Am 26. Januar 1772 erwarb die damalige Zunft zur Schuhmachern das „Haus zum Bach“. Im Frühjahr 1773 ging das alte Zunfthaus an der Stüssihofstatt 7 von der Zunft zur Schuhmachern an Hans Jakob Escher, Zunftseckelmeister zur Meisen. Der im Anschluss an den Kauf erfolgte Umbau durch David Morf (1701 – 1773), den späteren Erbauer des Zunfthauses zur Meisen und des Palais Rechberg, und die nur wenig mehr als 50 Jahre währende Funktion als Zunfthaus bis 1798 prägen das Gesicht der Liegenschaft bis heute.

Wie andere Zünfte vermietete auch die Schuhmacherzunft verschiedene Räume. Mit der Hauptmieterin, der Firma Orell Gessner & Co., wurde bereits während des Umbaus ein Mietvertrag geschlossen. Dies hat sich möglicherweise auf die Planung des Baus ausgewirkt, könnten doch Form der Fenster sowie Teile des Ausbaus des Erdgeschosses mit der Druckerei im Zusammenhang gestanden haben. 1762 wurde im Zunfthaus die „Historisch-politische Gesellschaft zum Bach“ von Johann Jakob Bodmer gegründet. Ziel der Sozietät war die praktische Vorbereitung von Staatsbürgern zu künftigen Regenten. Lektüre historischer und staatspolitischer Werke, Vorträge sowie rhetorische Übungen standen im Vordergrund.

1798 – 1888

Nach der Auflösung der Zünfte erwarb Johannes Gessner am 10. Oktober 1798 das Zunfthaus. Ihm folgten als Eigentümer zunächst der Sohn, darauf der Enkel, Heinrich Gessner. Spätestens dieser muss im Erdgeschoss drei Verkaufsräume eingerichtet haben. 1811 – 1877 belegte die „Töchterschule“ als Mieterin die Räume. 1878 erwarb Küfermeister Jakob Grob die Liegenschaft, um sie zehn Jahre später an den aus dem 1840 gegründeten deutschen Gesangsverein hervorgegangenen „Arbeiterbildungsverein Eintracht“ zu veräussern.

1888 – 1932

Im Jahr 1888 wurde im Erdgeschoss das Restaurant Eintracht eingerichtet. Bis zum Bezug des Volkshauses hielt die Arbeiterbewegung ihre Versammlungen in den Zunfträumen ab. Dies trug dem ehemaligen Zunfthaus zeitweilig den Titel „Gewerkschaftshaus“ ein. Das Haus spielte in der Geschichte der schweizerischen Arbeiterbewegung eine wichtige Rolle. Mit ihm sind Namen wie Hermann Greulich, Robert Seidel, Friedrich Adler, Robert Grimm oder Fritz Brupbacher verbunden. Hier trafen sich aber auch politische Emigranten wie Leo Trotzki und Vladimir Iljic Uljanov, Lenin, der seine Genossen vor seiner Abreise nach Russland im April 1917 ein letztes Mal in der Eintracht um sich versammelte.

1932

erwarb die Stadt Zürich die Liegenschaft, um sie im Hinblick auf das Projekt „Zähringerdurchbruch / Altstadtsanierung“ abbrechen zu lassen. Einem Kaufgesuch der vereinigten Zünfte zur Gerwe und zur Schumachern entsprach der Stadtrat nicht und begrub 1951 die ursprünglichen Abrisspläne endgültig.

1955 / 1956

Im Herbst 1955 veranstaltete die Zunft Hottingen das erste Rechenmahl und im Frühling 1956 das erste Sechseläuten im Zunfthaus am Neumarkt.

1960

erfolgte im Hinblick auf eine Neunutzung als Theater der Einbau einer Bühne.

1965

fand die Eröffnung des Neumarkttheaters als Gastspielbetrieb statt.

1967

schloss die Zunft Hottingen mit der Stadt einen ersten Pachtvertrag.

1997

feierte die Zunft Hottingen in ihrem Zunfthaus am Neumarkt ihr 100jähriges Jubiläum.

1998

erneuerte die Zunft Hottingen mit der Stadt Zürich nach intensiven Verhandlungen den Pachtvertrag, der den Verbleib der Hottinger im Zunfthaus bis mindestens zum 130jährigen Jubiläum sichert.

2006

feierte die Zunft Hottingen zum fünfzigsten Mal das Sechseläuten im Neumarkt.

Quelle: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich, Die Stadt Zürich III.II, Altstadt Rechts der Limmat, Profanbauten, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, Bern, 2007

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